
Essen in Korsika und im speziellen
auf (und neben) dem GR 20 - das soll uns ein eigenes Kapitel wert sein!
Auf der Insel muss man eigentlich zwei verschiedene
Gegenden der Essenszubereitung unterscheiden: Küstenbereich und Gebirge.
Relativ teuer ist es allerdings eigentlich immer.
An der Küste gibt es viele gute Restaurants, in denen man ein wenig
nach französischer Art speisen kann (wenn man genügend Geld hat!).
In vielen (oft) einfacheren Lokalen vermischt sich das auch mit italienischer
und teilweise mit internationaler Küche, so dass das Essen zwar oft
gut aber nicht sehr charakteristisch ist. Fisch und Meerestiere haben natürlich
eine besondere Bedeutung.
Im Inselinneren, insbesondere im Gebirge, gibt es dagegen eher eine würzig-deftige,
teilweise an italienische Traditionen angelehnte Küche, verfeinert durch
die einfachen aber schmackhaften Produkte der korsischen Almwirtschaft.
Korsika ist bestimmt kein Mekka der Gourmets,
aber uns hat es immer wieder ausgezeichnet geschmeckt, und
Mahlzeiten und Imbisse sind für uns teilweise mit ganz besonderen Erinnerungen
verbunden. Das hat dazu geführt, dass wir auch zuhause versuchen, das
eine oder andere nachzukochen und somit Erinnerungen aufzufrischen. Leider
ist es nicht ganz einfach, in Deutschland an korsische Produkte heran zu
kommen, so muss man sich immer wieder bescheiden.
Soupe Corse, ein frischer Salat, Weißbrot, ein Omelett oder Teigwaren
mit Brocciu (wir behelfen uns dabei allerdings mit Eigenkreationen aus Quark
und Mascarpone - das weckt wenigstens einigermaßen die Erinnerung an
den herrlichen korsischen Frischkäse), dazu korsischer Rotwein und korsische
Musik, zum Abschluss Café au lait mit Café de Corsica und korsischer
Apfel- oder Birnenkuchen: das ist immer wieder wie ein kleines Fest. Und
dazu unsere Korsika- oder GR 20-Dias anschauen …
Speziell auf der großen Wanderung hatte
das Essen aber nochmals eine ganz besondere Bedeutung. Insgesamt war ja eher
Sparsamkeit angesagt - vor allem natürlich aus Gewichtsgründen.
Frisches Brot oder etwas Obst war schon eine Delikatesse. Viele Wanderer
tragen große Mengen an Trockengerichten mit und kochen dann an den
Refuges wie die Weltmeister. Wir waren in diesem Punkt etwas fauler und nahmen
immer das, was sich so gerade bot - und das war manchmal ziemlich wenig.
dafür haben wir auch beide einiges an Gewicht abgenommen - geschadet
hat es uns nicht!
Wenn es dann aber etwas zu essen gab, war
das immer ein kleines Fest. Herrlichen aromatische Schafs- oder Ziegenkäse,
würzige Wurst oder Speck. In den Bergeries gibt es ganz zarte Omeletts
mit feinem Käse oder Minze, machmal etwas frischen Tomatensalat oder
Obst. Auf der Bergerie de Ballone kann man sehr schön essen, dort war
der Riesentopf mit herzhafter Sopa Paisana (Soupe Corse) eine Offenbarung,
das Omelett so zart wie ein Traum …
Auch die Bergerie de Tolla bot solche kleinen ländlichen Köstlichkeiten
in einer paradiesischen Atmosphäre. Im Süden war es gleich die
Gite de Etâpe, die uns begeisterte und dann das Relais am Col de Verde,
wo wir nach einer unserer anstrengendsten Etappen völlig hingegeben
waren an den bunten Riesensalatteller, die zarten Koteletts mit frisch gemachten
Pommes frites, gegrillt im offenen Kamin in der gemütlichen Stube, die
großzügige Portion herrlichen Käse - alles gemacht uns serviert
von zwei freundlichen jungen Burschen, nicht älter als unsere Kinder
daheim.
Die kulinarischen Höhepunkte waren für
uns aber die Abendessen in Haut Asco und in Corte. Das war in beiden Fällen
ein Genuss von einer Qualität, die alles andere als selbstverständlich
ist zu einem sehr zivilen Preis ind freundlicher und gemütlicher Atmosphäre.
Haut Asco bietet den doch nicht mehr so ganz
taufrischen Wanderern den Genuss eines distinguierten französischen
Landhotels. Madame schaut zuerst ein wenig misstrauisch, wird dan aber ganz
freundlich und mütterlich, wenn sie erkennt, dass man richtig essen
will. Die Portionen sind überreichlich, es schmeckt alles hervorragend.
Verschiedene Salatplatten, Soupe Corse, Fleisch, Fisch, Käse, Obst und
Kaffee, dazu nicht ganz billiger aber ausgezeichneter Rotwein… Man
stapft danach in sein Minizelt und ist ganz benommen von so viel Esskultur
an diesem Ende der Welt.
Corte dagegen war unser "Zwischenspiel"
- und das ist dank der Eisenbahn auch für jeden möglich. Es ist
eine schöne kleine und lebendige Stadt im Gebirge. Man sitzt in Straßencafés
oder -restaurants, flaniert durch die wenigen Straßen oder steigt zur
Citadelle und zur Uni hinauf, die Gipfel schauen auf den Teller, man kann
hervorragend einkaufen (Bücher, CD's, Fleisch, verführerisches
Gebäck und Bergsportartikel zum Beispiel.
Im Restaurant "U Paglia Orba" haben wir abends in hinreißender
Atmosphäre die beste Pizza unseres Lebens gegessen mit frischen Salat
und köstlichem Wein. Das ganze, überaus volle Lokal auf einer kleinen
Terrasse wurde freundlich und kompetent von zwei jungen Damen verwöhnt,
es klappte alles und schmeckte einfach begeisternd. Eine echte Empfehlung!
Es gibt dort übrigens viele andere Sachen außer Pizza, aber wir
hatten gerade Hunger darauf und haben es nicht bereut. Ein runder und harmonischer
Abend voll köstlicher Genüsse!
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